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Im letzten Winter hatte ich im Surfers Journal einen schönen Artikel über die letzten Surf Secrets in Mittelamerika gelesen: Nicaragua. Ein Land das sich bis Mitte der 90er Jahre im Bürgerkrieg befand lockte da mit jungfräulichen Wellen, freundlichen Locals und verglichen mit anderen mittelamerikanischen Destinationen: wenigen „Gringo-Surfers“
Nachdem Hains und ich einen billigen Flug gefunden hatten, fanden wir uns auch schon gejetlagt in der Hauptstadt von Costa Rica wieder. Nach 10 Stunden Busfahrt hatten wir dann endlich den Grenzübergang nach Nicaragua passiert und steuerten unser erstes Ziel im Süden von Nicaragua an: Playa Maderas. Im Stormrider Guide hatten wir gelesen, dass der Spot einer der besten in Nicaragua war. Als wir dann das erste Mal am Strand standen und eine der „besten“ Wellen des Landes sahen, waren wir erstmal ziemlich verunsichert. Was wir da sahen war ein mittelmäßiger Beachbreak mit ca. 40 Surfern im Wasser die sich gegenseitig in die kurzen und großteils closeout brechenden Wellen dropten….Secret? einsame Wellen? Shit, ich war scheinbar nicht der einzige der den Artikel im Surfers Journal gelesen hatte! Das was ich sah erinnerte mich eher an Portugal im Sommer. Es fehlte bloß noch dass eine Surfschule mit Softboards am Strand auftauchte und Trockenübungen machte!

Um uns einzusurfen verbrachten wir ein paar Tage an diesem Ort und hatten tatsächlich die eine oder andere nette Welle. Wegen netten Wellen waren wir aber nicht um den halben Globus geflogen. Wenn schon nette Wellen -dachten wir- dann wenigstens für uns alleine!
Das wir nicht lange in Maderas bleiben wollten war für uns schnell klar. Weitere 7 Stunden Busfahrt brachten uns nach Managua, wo wir unseren Kontaktmann Jorge treffen wollten, der uns schon über Skype von einsamen, perfekten Wellen rund um seine Heimatstadt erzählt hatte. Er berichtete uns, dass es im Großraum Managua nicht mehr als 15 Surfer gab, die sich auf genügend Spots an der Westküste aufteilten. Diese Information machte uns wieder zuversichtlich und wir genossen den Einstand in der Hauptstadt mit einem feuchtfröhlichen Gelage.
El Transito

Am nächsten Tag fuhren wir mit Jorge zu einem Ort der „El Transito“ genannt wird. Aufgrund mangelnden Tourismus gab es in El Transito keine Cabanas oder Hotels sodass wir in der Finca von Jorges Onkel unterkamen.
YEAAAHHH! Nun hatten wir es also endlich geschafft den überlaufenen Wellen im Süden zu entkommen und einsame Wellen an unserem „privaten“ Beach zu surfen. Leider mussten wir sehr schnell feststellen, dass El Transito seinen Namen nicht ohne Grund trägt. Gerade Surfer werden sich häufig deswegen an diesen Namen erinnern, weil sie hinkamen, ein paar Tage dort verbrachten um dann schleunigst wieder abzuhauen: Die Welle die wir nach einem halbstündigen Fußmarsch erreichten vermittelte das Gefühl als wäre sie auf Valium. Ich glaube selbst mit Longboards würde eine Session an diesem Spot nur das Verlangen nach ein paar kühlen Bier wecken, die man stattdessen in einer Hängematte (oder auch ohne) im Schatten zu sich nimmt.
Nachdem sich die Welle nach ein paar Tagen nicht verändert (sprich:verbessert) hatte, begannen wir mit den ortsansässigen Fischern zu diskutieren ob es in der Gegend nicht andere Wellen gab, die vielleicht etwas größer und schneller wären. Die Fischer meinten dass es so etwas in der Art schon gäbe. Sie sprachen von einem kleinen Dorf ca. 5km weiter südlich: San Diego. Für einige Dollar würden sie uns am nächsten Tag dorthin bringen.
Gesagt getan! Nach ca.1 stündiger Bootsfahrt erreichten wir den Ort von dem gesprochen worden war. Schon von weitem sahen wir die weißen Streifen, die sich wie am Lineal gezogen, von links nach rechts bewegten. Das konnte nur ein Riff sein! Und so war es dann auch tatsächlich: Schon nach einer Woche hatten wir sie also tatsächlich gefunden – unsere Welle! Außer uns waren noch 3 Amerikaner im Wasser. Die Jungs waren cool und so gabs überhaupt keinen Stress – im Gegenteil: hier hatten wir die erste richtig gute Session seitdem wir nach Mittelamerika gekommen waren.
Hamorides:
Nachdem wir von unseren Fischern wieder nach El Transito zurückgebracht worden waren, gab es für uns nur noch einen Gedanken: wie kommen wir hier weg und dort hin?
Zum Glück gab es in el Transito ein Telefon. Der Zufall wollte es, dass es gerade keinen Stromausfall gab. So schafften wir es, Jorge am Telefon zu erwischen. Nachdem wir ihm mitgeteilt hatten dass wir sofort nach San Diego weiterziehen wollten, erklärte er uns dass es dort keine Möglichkeit zum schlafen gab, keinen Strom, keine Geschäfte geschweige denn Restaurants – kurz: nada! Wann können wir fahren?
Leicht genervt holte uns Jorge am nächsten Tag mit dem Auto ab und fuhr mit uns über relativ gute Strassen nach San Diego. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass Jorge mit seiner Beschreibung leider nicht übertrieben hatte. Es gab nichts! eine staubige Strasse und rechts und links verstreut einige Holzhütten. Ganz am Strand stand eines von wenigen Ziegelhäusern. Diesmal hatten wir Glück! Da es Sonntag war, trafen wir den Besitzer an, ein Anwalt aus Managua. Er erklärte sich nach kurzem Gespräch bereit, uns für eine Woche in seinem Haus wohnen zu lassen d.h. wir durften die Terrasse im ersten Stock benutzen und bekamen den Schlüssel für die Küche und einen Raum, in dem wir unser Gepäck einsperren konnten. Zudem fanden wir nach kurzer Zeit eine ältere Dame die bereit war, für ein Trinkgeld für uns zu kochen, wenn wir die Lebensmittel selbst besorgen würden:Yeahh, Ride on!

Dass es neben einem etwas einseitigen Speiseplan (Gallo Pinto 3 mal am Tag) keinen Strom und kein Süßwasser gab hinderte uns nicht daran, aus dieser einen Woche vier werden zu lassen, die wir im Haus von Manuel verbrachten.
Die Welle war nahezu perfekt. Eine Linke, die gleich zu Beginn eine kraftvolle tube formte bevor die inside section richtig Stoff gab. Die meiste Zeit waren wir alleine. Vereinzelt kamen einige locals oder Amis vorbei, mit denen wir die Wellen teilten. Ich habe nie gedacht, daß ich mich mal über den Anblick einer ins lineup paddelnden Gruppe von Surfern freuen würde – In San Diego war das der Fall!
Als es dann an einigen Tagen groß wurde, erfuhr ich dann auch warum der Entdecker der Welle den Spitznamen „hamorides“ verpasst hatte: Nach einem heftigeren Wipeout war meine short hinüber und mein Hintern fühlte sich an wie nach einem Einlauf mit Beta-isodona, wenigstens hatte ich mir die Seeigelstachel nur in die Füße eingezogen!!!

Life is a beach:



Langsam entwickelte sich eine Routine aus schlafen, essen, surfen, lesen und schlafen. Mehr zu tun gabs nicht. Zudem kam noch das Problem hinzu, dass die Welle nur bei extremer Hightide funktionierte. High-to-mid und mid-to-high war der take off Punkt praktisch im Trockenen. Das heißt es ging sich in der Regel nur ein Surf pro Tag aus - abgesehen von den wenigen Tagen, an denen die eine Hightide auf den Sonnenaufgang und die andere auf den Sonnenuntergang fiel. Es gab leider nur zwei von diesen magic days!
Popollo
Nach den vier Wochen war es dann Zeit weiterzuziehen. Die Wellen waren klein und wir wollten zugegebener Maßen wieder an einen Ort, wo man sich mit Süßwasser duschen und sich nicht ausschließlich von Gallo Pinto ernähren mußte.
Popollo ist laut allen Informationen die wir hatten, der Surfnabel von Nicaragua. In den letzten Jahren war dort eine richtige Surf Infrastruktur entstanden die aus einigen Cabanas und 3 Restaurants besteht. Die Hauptwelle ist ein A-Frame, der über ein Lava Riff bricht. Nach den Tagen an denen wir praktisch alleine in San Diego surften war es wieder ein ziemlicher Schock mit anderen Leuten im Lineup zusammen zu sein. Seitdem wir San Diego verlassen hatten, wollte sich kein größerer Swell mehr einstellen. Die meiste Zeit surften wir in kopfhohen Bedingungen. Die Welle in Popollo ist nicht besonders schnell sodass man extrem viel Zeit hat, an seiner Technik herumzufeilen. Leider stellt man bei so einer Gelegenheit dann auch fest, dass die surfskills, die man sich in vielen Trips erworben hat, eher dazu taugen in großen Wellen zu überleben als in kleinen zu glänzen…
Popollo Outerreef / Pic Donald D. (funktioniert nur wenns RICHTIG gross ist...)

Mit gelegentlichen Ausflügen zu anderen Spots in der Nähe von Popollo (Colorado und Playa Santana) vergingen die zwei Wochen dann wie im Flug.

Nachdem wir noch eine Handvoll österreichischer Surfer getroffen hatten (shout out to Chrisi, Daniel und Dino ääööhhh!) war es Zeit für uns, den letzten Spot den wir uns vorgenommen hatten zu besuchen: Pavones in Costa Rica. Nach einer Nacht und einem Tag Busfahrt wankten wir dort ziemlich fertig aus dem Bus. Wir hatten schon damit gerechnet, dass sich in dieser Welle einige Leute tummeln würden…. das es dann aber bis zu 70 werden würden, war dann doch eher eine Überraschung! Pavones ist eine der bekanntesten und angeblich auch besten Wellen in Mittelamerika. Eine Left, die an guten Tagen bis zu 350 Metern laufen kann. Trotz der Massen die sich dort im Wasser herumtreiben, hatte sowohl ich als auch Hains einige ausgezeichnete Wellen. Den Vergleich mit San Diego verliert Pavones für mich aber allemal… vielleicht liegt das aber nur an meiner Vorliebe für Seeigel!
Alles hat ein Ende?…
Leider haben die beiden Spots aber auch eine gemeinsame Parallele: beide wird es in der Form in der wir sie erleben durften, womöglich nicht mehr lange geben. In San Diego bauen amerikanische Investoren eine gewaltige Wohnanlage direkt gegenüber des Breaks. Die Anlage, ausgestattet mir Golfplatz soll vermögenden Amerikanern als Urlaubsdomizil dienen. Die meisten Wohnungen sind schon verkauft – Die Käufer kommen angeblich zum größten Teil aus Hawaii und Kalifornien. Somit drängt sich der Gedanke auf, das Nicaragua mit seinen Southswells die ideale Ergänzung zur Surfseason in Hawaii und Kalifornien darstellt. Damit könnte es bald vorbei sein mit dem "pura vida ", das man bisher zu dritt oder zu viert im Lineup genießen konnte.
Pavones wiederum wird von der Internationalen Fischindustrie bedroht. Geplant ist, den ganzen „Golfo Dulze“ in eine Aquafarm für Thunfische umzugestalten.(!!!) Ein Konsortium aus Spanien, Peru und Amerika möchte die Bucht in der Pavones bricht, mit Netzen absperren und im abgetrennten Teil Thunfische für den europäischen und den amerikanischen Markt züchten…Wer also Lust auf den einen oder anderen Spot bekommen hat – ich würde raten die Boards einzupacken und sich demnächst auf den Weg zu machen vielleicht ist es sonst zu spät!
Aloha!
Story: flo Shots: Donald, Hains |