Surfing Europe : Galicia

Steve und Julia waren heuer im August in Galizien unterwegs und haben uns einige feine Bilder und nützliche Infos mitgebracht:

“travel the world and continue the book unwritten”

It is the Wild that makes surf culture such a rich subculture, way richer than most subcultures. Surf culture is born out of the Wild - of men and women who seek daily commerce with a morfing landscape of possibilities, of possible rewards and punishments, of long efforts made for fleeting gains. Contact and intimate interaction with ocean waves makes and keeps people alive like almost nothing else. Surfers are alive with the sea, with a crazy wisdom it takes them years to know they have.

Drew Kampion, 2006

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GALICIA – gods forgotten fingerprints


Auch wenn der Stormrider Guide für die Sommermonate in Nordspanien eine durchschnittliche Wellenhöhe von 2-3 Fuss vorhersagt, gilt für den reisenden Surfer immer noch die Weisheit „You never know, until you go“.

Und diese Erkenntnis trifft ganz besonders für Galizien zu, das trotz seines enormen Surfpotentials mit 1200 Kilometer Strand, hunderten von Buchten und der Swell-exponierten Lage Richtung Norden und Westen, noch immer einen Dornröschenschlaf bezüglich (Surf)tourismus führt. Der Grund dafür, dass in dieser Ecke Spaniens die touristischen Ströme in der Pilgerhauptstadt Santiago de Compostela enden, liegt einerseits an den häufigen und heftigen Niederschlägen, Nebel an den Küsteregionen und andererseits an den niedrigen Temperaturen (zwischen 15 und 23 Grad für Juli/ August).Im Gegenzug dazu entschädigt Galizien den Reisenden mit einer einzigartigen, sehr abwechslungsreichen Landschaft und einer vegetativen Vielfalt, die bis zum Meer reicht und Sessions vor einer Kulisse aus Grüntönen zwischen Pinien, Kiefern und Eukalyptuswäldern möglich macht.

Auch scheint die einheimische Bevölkerung Galiziens, die Gallegos, noch von der neuen, gekünstelten „Gast“freundschaft Mitteleuropas verschont geblieben zu sein und bemüht sich stattdessen darum, seine Eigenständigkeit und seinen traditionellen Stolz durch ähnliche separatistische Tendenzen wie im Baskenland zu bewahren. Gallegos sind ehrlich, direkt, starren dich an und lassen dich spüren wie es um die große EU-Familie am selbsternannten Ende der Welt (Finisterre), wie der westliche Punkt Galiziens bezeichnet wird, steht.

Surftechnisch teilt sich Galizien in drei Bereiche: die nach Westen ausgerichteten Rias Altas, das Nord-West Eck, das Todesküste genannt wird (Costa da Morte), und die Rias Bajas, welche sich östlich von La Coruña befinden.

Als Rias werden fjordähnliche und tief ins Landesinnere eingeschnittene Flussmündungen verstanden, die der Landschaft ihr eigenständiges Bild verleihen und der Legende nach die Fingerabdrücke Gottes bilden, der sich bei der Erschaffung der Welt kurz mal zum Chillen hier ausgerastet hat; oder war es doch für eine kleine Surf-Session zwischendurch?

Für Surfer bedeuten diese Einschnitte einerseits Kaps und Strände die ungeschützt in den Atlantik ragen und dadurch sehr viele Wellen aus der bevorzugten Swellrichtung aus Nordwest aufnehmen, wie andererseits auch viele geschützte Buchten mit den verschiedensten Ausrichtungen (Süd, West, Nordwest) bei höherem und anders ausgerichtetem Swell (West, Süd).

Für Sommersessions ist es ratsam die Buchten auszuwählen, die für die Nordwest-Swells, die vor England produziert werden, offen sind.

Dass Galizien zu den traditionellsten, aber auch ärmsten Ecken Spaniens zählt und von Abwanderung betroffen ist, merkt man rund um das Finisterre an der Costa da Morte, wo die Orte verlassen und unbewohnt scheinen, die Strände oftmals abgelegen sind und sich der Atlantik von seiner wildesten Seite zeigt. Der Vorteil für erfahrene und hartnäckige Surftraveller liegt darin, dass sich in dieser Gegend selbst bei wenig Swell fast immer eine Bucht findet, die surfbare Wellen abbekommt.

Den Namen „Todesküste“ trägt der Küstenabschnitt aufgrund von 140 großen Schiffsunglücken, die sich vor dem Küstenabschnitt in den letzten Jahrhunderten ereignet haben. Hier war es ebenfalls als im November 2002 der 26 Jahre alte Tanker „Prestige“ mit 77 000 Tonnen Rohöl zerbrach, sank und damit die Küstenabschnitte Galizien bis hinein in die Bucht von Biskaya mit dicken Ölteppichen überzog, nicht nur das Surfen unmöglich machte, sondern auch der Flora und Fauna, tausenden dort lebenden Vögeln, wie auch der ansässigen Haupteinnahmequelle, dem Fischfang seine Existenz entzog. Heute erinnern nur noch die allerorts aufgesprayten und furchteinflößenden Worte „Nunca máis“ (nie wieder) an vielen Ecken des Landes an das als „Tschernobyl Spaniens“ bezeichnete Ereignis.

Ist ein Nordwest Swell in Richtung Bucht von Biskaya unterwegs, dann ist es angebracht, sich an die Strände nördlich von Ferrol (Rias Bajas) zu begeben. Die offenen Strandbuchten mit hügeligem bis flachem Hinterland haben Ausrichtungen von Süd über West bis hin zu Nord-West und bekommen von allen Richtungen Swell ab. Bei den verschiedenen Windrichtungen findet man oftmals eine Ecke mit Offshore Bedingungen. Die berühmtesten Breaks hier sind vor allem Doniños und Pantin weiter nördlich, wo auch dieses Jahr wieder Anfang September der Herren WQS Event stattfindet.

Galizien bedeutet soulige Küsten, authentische Menschen, abgeschiedene, wilde und vom Atlantik bearbeitete Küstenabschnitte. Und es bedeutet eine Menge Surfpotential, welches das Herz des Surftravellers wieder zu entfachen vermag und konsequent und unumgänglich an Zeiten, wie sie in Surfklassikern wie in Falzons„Morning on the Earth“ gezeigt werden, erinnert. Galizien ist definitiv ein Platz, um zur ursprünglichen Essenz des Surfings zurückzukehren und als Surf-Pilger seinen ganz persönliche Jakobsweg zu beschreiten.

Go out there and ride it…

Infos:

Wassertemperatur: im Sommer zwischen 18 -20 Grad und erfordert einen 3/2 Fullsuit

Surfquiver: die Wellen reichen von mittelkräftigen Beach- und Pointbreakwellen bis hin zu kraftvollen, schnellen, teilweise tubigen 2 – 5 Fuß Wellen: deshalb bist du sicher mit kurzen, etwas dickeren Beachbreakbretter gut beraten, wie auch mit fish- und funboardshapes und eventuell einem Longboard für funny small days

Anreise: per Flugzeug nach Santiago de Compostela, nach La Coruña oder Porto (Portugal) im Süden.

Wenn ihr ein knappes Budget habt, dann checkt euch eine der zahlreichen Mitfahrzentralen im Internet, um ziemlich günstig an die Traumstrände Galiziens zu kommen.

Getting around: in Galizien ist ein Mietauto fast Pflicht, dank EU Geldern sind die Straßen sehr gut ausgebaut und beinahe alle Strände per Tafel angeschrieben.

Wohnen: Campingplätze gibt’s zwischen 3 – 4,5 Euro pro Tag/Person, Zelt 3 – 5 Euro/Tag, Auto 3 – 4,5 Euro/ Tag (Kann aber auch vor dem Campingplatz abgestellt werden!)

Campingplätze gibt’s in jeder Region von Galizien und diese sind meist nicht sehr überlaufen.

Wer nicht wetterfest ist, kann auch in sogenannten hospedajes (ab 18 bis 30 Euro/Tag fürs Doppelzimmer) oder Hostals (um die 30 – 40 Euro/Tag fürs Doppelzimmer) unterkommen.

Surfbreaks für den Sommer: Playa de Furnas bei Ribeira (Rias Altas), Praia de Rostro und Nemiña ein wenig nördlich davon in der Region um das Finisterre (Costa da Morte), die Strände von Razo östlich von Malpica, die Strände nördlich von Ferrol von Doniños bis Pantin (Rias Bajas).

Verpflegung: Wenn du an die Küsten Galiziens fährst, bist du arm dran, wenn du keinen Fisch und keine Meeresfrüchte magst. Die gibt es nämlich in jedem Lokal und dazu wenig Alternativen. Ansonsten mit dem Gaskocher selber kochen.

Local Beer: Sag einfach „una estrella, por favor“ und alles wird gut! (Estrella Galizia)

 
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