Austrian Surfing @ the WSG II

Im Anschluss gibts jetzt endlich einen vollständigen Bericht über das Costa Rica "Abenteuer" - den Erfolg des Teams von Austrian Surfing bei den ISA World Surfing Games. Gleich vorweg: so schlecht waren wir gar nicht..das können unsere nördlichen- und westlichen Nachbarn bestätigen ;)

Julie präsentiert stolz die österreichische Fahne auf ihrem Board

Eine Teilnahmevoraussetzung der ISA war die Abgabe von österreichischem Sand bei der Eröffnungszeremonie... Am Bild sieht man original Tiroler Sand vom Inn verpackt in original Tiroler Bambus (!)

Ein Teil unseres Teams bei der "Parade of Nations"

Benjamin Richter, einer unserer Longboard Hotshots beäugt die Gegner vom Strand

Chris - kurz vor seinem Heat in dem er den Junioren Champ von Lateinamerika abserviert - All thumbs up!!!

Julie freundet sich langsam mit den Bedingungen von Hermosa an

Schnitzer Style

Lazi kämpft sich durch die Repercharge..leider hatte er danach kein Wellenglück mehr

1.8.2009

Tag X ist gekommen, man spürt deutlich, wie viel Spannung in der Luft liegt, und wie die Surfer mit der Nervosität umgehen: während einer wie ein Wasserfall redet, wird ein anderer ganz still, der dritte wiederum ist sichtlich bemüht, cool zu wirken – völlig kalt lassen die World Games natürlich niemanden..

Die Nervosität und das hohe Level der Weltmeisterschaften wirken sich auch auf die Ergebnisse aus: Lazi, Lino, Steve, July und Julia verlieren ihre ersten Heats (teils sehr knapp), „Braveheart“ Chris Schnitzer übersteht als einziger Österreicher die erste Runde des Shortboard-Bewerbes, schlägt dabei den lateinamerikanischen Champion und wird zum Liebling der Kommentatoren und der Presse, die weltweit über den Erfolg von Chris berichtet. Ein Österreicher, der big names aus dem Bewerb wirft, wer hätte das gedacht?

Mir wird langsam klar, dass die anderen Teams nicht umsonst einen Manager, einen Coach und einen Media Manager dabei haben – Manager-Meetings, die Betreuung der Athleten und die Kommunikation mit den Medien und die Filmproduktion halten mich von früh bis spät auf Trab.

2.8.2009

Heute läuft alles schon viel entspannter ab, man ist mit der Location und den Abläufen vertraut, der Gedanke, vor Tausenden von Zuschauern zu surfen, hat jetzt eine freudige Erwartung und einen Kick, aber keine übermäßige Nervosität mehr zur Folge.

Lazi kann heute sein Potential zeigen und gewinnt seinen ersten Heat in der Repercharge (Loser´s Round). Auch über die Repercharge ist letztlich ein Einzug ins Finale möglich, also bleiben alle Chancen bestehen, und der Sieg bringt wertvolle Punkte für das Team. Auch Steve und July schaffen durch zwei zweite Plätze in ihren Heats den Aufstieg in Runde 2 der Repercharge. Lino und Julia schaffen den Aufstieg leider nicht, für die beiden ist der Contest heute vorbei; alles hat auch seine guten Seiten, denkt sich Lino und nutzt die freie Zeit, um die Frauenwelt Costa Ricas besser kennen zu lernen ;)

Unser shooting star Chris Schnitzer ist in seinem gesamten Zweitrundenheat auf Platz 2 und der spektakuläre Aufstieg eines Österreichers in die 3. Runde scheint sicher – aufgrund eines kleinen taktischen Fehlers und Wellenpech wird er knapp eine Minute vor Ende des Heats doch noch auf den dritten Platz verdrängt und muss sich ab morgen auch in der Repercharge wieder hocharbeiten.

Für mich endet der ereignisreiche Tag wieder einmal mit einem Meeting, das länger dauert als erwartet..
 
3.8.2009

Das Niveau in Runde 2 der Repercharge ist hoch, July, Lazi und Steve können den Aufstieg in Runde 3 nicht schaffen. Lazi zeigt eine sehr gute Leistung, hat aber Wellenpech, es kommt einfach keine große Welle durch. „Riesentöter“ Chris schlägt in seinem Heat den Junioren-Weltmeister 2008 aus Hawaii und steigt in Runde 3 auf. Die Kommentatoren sind mittlerweile richtige Österreich-Experten, niemand kann glauben, was da gerade vor sich geht!

4.8.2009

Für Steve und mich startet der Tag mit einer dawn patrol, wir stehen mit den ersten Sonnenstrahlen auf und finden etwa 200m von unserem Appartment entfernt einen schönen Righthander – ich bin die letzten zwei Tage nicht ins Wasser gekommen und bin froh, mit meinem alten Freund und surf-buddy wieder einmal ein paar Wellen zu surfen J
Im Contest hat Chris heute das Pech von Lazi übernommen und wartet ewig auf eine größere Welle, die allerdings erst nach dem Ende seines Heats eintrifft. Somit ist unser letzter Starter aus dem Shortboard-Bewerb ausgeschieden – dennoch: dank der guten Leistungen des Teams hält Österreich mittlerweile auf Platz 21 von 36 beteiligten Nationen, eine große Überraschung, wenn man bedenkt, dass wir keinen Meerzugang haben - Deutschland und die Schweiz liegen hinter uns!
Ab morgen liegt alles in der Hand der Longboarder..
Für mich steht in der Nacht noch ein Live-Interview mit der FM4-Morningshow am Programm, das diesmal zum Glück funktioniert, die Verbindung hält zumindest für etwa 5 Minuten. Wir freuen uns sehr über das Medieninteresse und die vielen E-Mails und posts auf Facebook!

5.8.2009

Trotz guter Leistungen verlieren unsere Longboarder Peter und Benjamin ihre Heats in Hauptrunde 1. Etwa 2 Stunden später startet bereits die Repercharge, in der beide Surfer in Runde 2 aufsteigen (Benjamin gewinnt seinen Heat sogar!) – wie bereits bei den Shortboardern ist somit auch bei den Longboardern alles bis zum Einzug ins Finale möglich!
Runde 2 wird dann leider in Bedingungen gesurft, die als absolut grenzwertig bezeichnet werden müssen: starker Onshore-Wind, Regen, wenige gute Wellen – am nächsten Tag wird bei ähnlichen, doch besseren, Bedingungen abgebrochen - nach hartem Kampf müssen sich Peter und Benjamin mehr den Bedingungen als ihren Gegnern geschlagen geben.
Da July und Steve morgen abreisen, gibt es noch ein gemeinsames Team-Abendessen, danach komme ich endlich einmal früher ins Bett, für die Ladies-Night in der benachbarten Backyard-Bar bin ich einfach zu müde..

6.8.2009

Nach dem Zustand von Julia und Chris und den Aussagen der anderen Teammitglieder muss die Party der Hammer gewesen sein..die für 6:00 angesetzte Filmsession wird allerdings aufgrund starkem Onshore ohnehin gecancelled, somit können sich alle ausschlafen – sobald der Wind nachlässt, nütze ich die Zeit für einen Strandlauf, und finde tatsächlich etwa einen Kilometer entfernt einen schönen peak, auf dem etwa 2 Stunden später dann doch noch gefilmt wird..

Danach regnet es wieder einmal zu stark, um außer Haus zu gehen, das Internet fällt zum tausendsten Mal aus, und die Stimmung der Surfer fällt ins Bodenlose. Für gute Wellen nimmt man die Regensaison gerne in Kauf, nur treffen diese guten Wellen einfach nicht ein..Ivo, unser Filmer, und ich nützen die Zeit, um Film- und Fotomaterial durchzugehen.

7.8.2009

Mit Wellenglück sind wir weiterhin definitiv nicht gesegnet, und das Wetter ist hier absolut nicht vorhersagbar: starker Wind bei Sonnenaufgang, als wir vom Frühstück zurück kommen, laufen dann perfekte Barrels. Wir springen sofort ins Wasser, doch etwa 5 Minuten, nachdem Ivo die Kamera fertig aufgebaut hat, beginnt der Wind wieder zu drehen und zerstört eine weitere Möglichkeit, gute Wellen zu filmen..

So verbringen wir die Zeit mit Interviews und im Internet, das zur Abwechslung einmal etwa eine Stunde problemlos funktioniert..

8.8.2009

Heute finden die Finali statt: letztlich siegen die USA in der Gesamtwertung vor Frankreich und Australien, Österreich erreicht den 22. Platz – vor allem, wenn man bedenkt, dass einige Surfer des „dream teams“ diesmal aus finanziellen Gründen leider nicht dabei sein können, eine großartige Leistung!
Wir sprechen mit einigen lateinamerikanischen Top-Surfern über die Zukunft des Surfens in Lateinamerika und Binnenländern wie Österreich vor dem Hintergrund der ISA World Games.

Die ISA World Surfing Games sind das größte Sportereignis in der Geschichte von Costa Rica, was am Finaltag deutlich wird: der Verkehr zwischen Playa Hermosa und Jaco, der nahe gelegenen Stadt, bricht völlig zusammen und der Strand wird zu einer riesigen Partyzone..

Murphy´s Law schlägt (hoffentlich endgültig zum letzten Mal) zu: Chris wird ausgeraubt und kommt ohne Laptop, Uhr und seine neuen K-Fins nach Hause..

9.8.2009

Da Chris kein Spanisch spricht begleite ich ihn zur Polizeistation, um die nötigen Formalitäten zu erledigen. Danach endet mein Auftrag als Mädchen für alles (Team-Manager, Coach, Pressesprecher, Regisseur, Produzent), morgen fliegen fast alle Surfer nach Hause und für mich ist endlich Urlaub angesagt..

Mein persönliches Fazit: Obwohl ich einige schöne und neue Erfahrungen gemacht und Erkenntnisse gewonnen habe, muss ich ehrlich sagen, dass die Mission für mich nicht ganz so gelaufen ist, wie erwartet, mich eine Menge Zeit, Geld und Nerven gekostet hat, und ich viel zu wenig selbst zum Surfen gekommen bin.

Fazit für Austrian Surfing: Hier kann ich das Ergebnis mit gutem Gewissen als sehr gut bezeichnen: 23. Platz von 36 teilnehmenden Nationen, vor Deutschland und der Schweiz. Obwohl die Teambildung schwieriger als angenommen war, hat es letztlich dann doch super funktioniert!

Ich hoffe, dass unser Film und die gute Platzierung positive Auswirkungen auf das österreichische Surfen haben werden - Surfen boomt, das Image wird von vielen benutzt, und ich denke, dass es an der Zeit ist, dieser Entwicklung auch im Bereich Sponsoring Rechnung zu tragen.
 

 
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