Austrian Surfing @ the WSG

Im Anschluss gibts jetzt die ersten Fotos unseres Teams + den versprochenen Bericht über die Vorbereitungsphase in Santa Theresa.

Die Vorbereitungsphase war heißer als erwartet - die Teilnahme bei den WSG erfordert von allen Teilnehmern Kompromisse, und Teamgeist der -so werdet ihr im folgenden Bericht lesen-  erst einmal geboren werden musste!

Text: Johnny Nesslinger

Morgen ist es endlich soweit: der große Augenblick ist gekommen, die Vorbereitungen der letzten Monate gipfeln im ersten Wettkampftag, das Austrian Surfing Team (www.austriansurfing.at) nimmt an den ISA World Surfing Games teil!

Doch halt, noch einmal zurück zum Beginn unseres Trips:

Monatelange Vorbereitungen zu Hause, endlose E-Mails und Telefongespräche, Hoffnungen, Erfolge und Enttäuschungen, all dies geht mir durch den Kopf, als das Team schließlich am 22. Juli im Wavetours – Ranchos Itauna Camp von Team-Longboarder und local Peter Ottinger in St. Teresa, Costa Rica eintrifft (www.wavetours.com ). Wobei: „Camp“ ist wohl nicht der richtige Ausdruck, eher „traumhafte Bungalowanlage inmitten von Palmen“, mit einem Chill- und einem Yoga-Rancho, Hängematten und einem wunderschönen Strand vor der Haustür!

Wir haben nun eine Woche Zeit, um uns zu akklimatisieren, einzusurfen, ein Team zu werden (einige Teilnehmer kannten sich vorher nicht oder nur flüchtig) und einige der besten Wellen in diesem Teil Costa Ricas zu surfen.

Nach zwei Tagen mit kleinen Wellen, an denen ich mit meinem neuen Bufo-Boogiefish eine Menge Spaß habe, trifft ein Südwestswell ein, und wir entschließen uns, den aufgrund seiner hohlen Wellen von den locals „Suck Rock“ genannten Righthander zu testen. Schon hier wird mir klar, dass man absolut nicht von einer homogenen Gruppe sprechen kann: während die Wellen für einige Surfer perfekt sind, vermissen andere power und sections für high performance turns, wieder anderen ist alles zu groß und zu schnell. Da unser Team aus einem guten Mix aus „Auslandsösterreichern“ und in Österreich lebenden Surfern besteht, ist das Surflevel natürlich nicht wirklich vergleichbar. Die unterschiedlichen Levels, Wünsche und Erwartungen sollen in den nächsten Tagen immer wieder zu Differenzen führen. Unerwartete Bedingungen in Verbindung mit persönlichen Eigenheiten und Problemen haben einige interne Meinungsverschiedenheiten zur Folge.

Am nächsten Tag sind noch höhere Wellen angesagt, und wir  hoffen auf perfekte rides an einer abgelegenen, nur mit dem Boot erreichbaren Landzunge. Leider finden wir nur undefinierte, flache peaks - offenbar laufen viele der Points dort eher bei Nordwestswells. Trotzdem ist die Bootsfahrt ein Erlebnis, vor allem die abenteuerlichen Manöver durch den engen Channel zwischen den Felsen – Bravo Captain Don Pedro!

Danach steht Mar Azul am Programm, eine Left, die ab einer bestimmten Größe durchaus ernst zu nehmen ist; heute ist sie allerdings eher klein und schwach – perfekt für die Mädls im Team, die endlich für sie perfekte Bedingungen vorfinden; des einen Freud, des anderen Leid, so wird dieser Spot später von einigen Teammitgliedern mit den Worten „da kann ich gleich zu Hause bleiben, dort hab ich bessere Wellen“ boykottiert.

Die nächsten Tage droppt der Swell etwas, und die beach breaks beginnen zu feuern: unser home spot Playa St. Teresa liefert steile Wellen und somit endlich perfekte Bedingungen für radikale Manöver.

Zwischen den Surfsessions steht Yoga am Programm, Strandläufe und Stretchingeinheiten, und natürlich gutes Essen: das Nationalgericht und unser Favorit ist Reis mit Bohnen, Fisch und Salat, dazu gibt´s frische Smoothies – besser und gesünder geht´s eigentlich nicht mehr!

Die Tierwelt in Costa Rica ist einzigartig, unser „Hausleguan“ ist so zutraulich, dass er uns aus der Hand frisst, und sogar die scheuen Brüllaffen können wir ein paar Mal beobachten.
 
Am Tag vor der Abreise nach Playa Hermosa finden die internen Streitigkeiten ihren vorläufigen Höhepunkt – für mich ist zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen, ob wir das Ruder doch noch herumreißen können und ein Team werden, und so gehe ich mit gemischten Gefühlen schlafen und hoffe auf das Beste..

Gleich nach dem Eintreffen im Hotel, in dem wir gemeinsam mit dem Deutschen Team wohnen, werden die Boards ausgepackt und die ersten Wellen gesurft, soll doch bereits am nächsten Tag als Probelauf ein Wettkampf der Teams Deutschland und Österreich stattfinden – und siehe da, das Wunder geschieht: die Probleme werden ausdiskutiert, alle sind super motiviert, ihr Können unter Beweis zu stellen – und wir werden ein Team, eine Gruppe teils unterschiedlicher, starker Persönlichkeiten, aber ein Team!

Obwohl wir die Klassen Open Men und Longboard gewinnen können, unterliegen wir letztlich dem deutschen Team knapp, da die Gesamtpunktezahl unserer Starter geringer ist. Trotzdem sehen wir den Bewerb als gelungenen Probelauf an, im darauf folgenden Teammeeting werden noch Details wie die individuelle Wettkampftaktik etc. besprochen, and we are ready to rock´n´roll!

Für mich stehen einige Meetings am Programm, es wird teilweise ganz schön schwierig, noch Zeit zum Surfen zu finden, die morgendliche Session von ca. 5.30 bis ca. 7.00 lasse ich mir dann aber doch nicht nehmen ;)

Spätestens bei der Opening Ceremony mit der Parade of the Nations sind die letzten Streitigkeiten beigelegt und das Team trägt stolz die Österreichische Flagge durch Jaco. Durch die Mentalität der „Ticos“, wie man die Bewohner Costa Ricas nennt, und die Tatsache, dass die ISA World Games das größte Sportereignis in der Geschichte dieses Landes sind, kann man sich sehr gut vorstellen, dass eine Atmosphäre herrscht, die an ein Volksfest erinnert J

Also: morgen geht´s los, wir sind gespannt und halten euch am Laufenden! Drückt uns die Daumen: auch wenn wir uns als Außenseiter wie das Jamaican Bob Team in „Cool Runnings“ vorkommen und es ja beim Surfen immer auch um den Spaß an der Sache geht, werden auf jeden Fall alle das Beste geben!

Saludos y pura vida!

Johnny
 

 

 
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