AS und ISA Surf Instructor Level 1 Ausbildung in Taghazoute, Marokko

 Diesmal gibt es wieder einen Ausbildungsbericht aus der Sicht eines Kursteilnehmers, natürlich unzensuriert ;)

Austrian Surfing Surflehrerausbildung Level 1
 
Bericht: Maximilian Neuböck
 
Schnee und Sonne, hohe Berge und hohe Wellen, Kälte und Wärme, wunderschöne Landschaft und Müllberge. Das alles in einem vereint, das ist Marokko.
 
Am 28. Dezember 2009 ging es los. Ich fuhr mit ein paar Freunden zum Flughafen Düsseldorf – Weeze. Nach einer 10 Stündigen Fahrt kamen wir schließlich an und der Stress begann; Gewichtsbegrenzungen, Passkontrollen und Sicherheitschecks. Dann, nachdem ich alles überstanden hab ab in den Flieger und rein in die nächste unangenehme Sache: Der Flug dauerte länger als geplant.
Doch irgendwann kam ich in Marokko an, nach 12 Stunden Autofahrt (auch wenn ich nicht selber gefahren bin), den Kontrollen am Flughafen und dem Flug könnte man annehmen, dass ich müde war und meine Glieder schmerzten, vielleicht war es auch so, ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr so genau, aber die Vorfreude war auf jeden Fall groß. Das erste Mal in Marokko. Wie sind hier die Wellen, wie wird die Ausbildung, wie sind die anderen Leute in der Ausbildung? Bis jetzt kannte ich nur Johnny, den Ausbilder selbst. Am Abend gab es in einem Restaurant in Taghazout das erste Zusammentreffen, doch auf dem Weg dahin lief es auch nicht ganz glatt. Wir nahmen unser Mietauto entgegen doch wir mussten noch auf ein zweites Auto warten, da wir nicht alle in eines hinein passten.
Aber egal, dachte ich mir, die paar Minuten würde ich jetzt auch noch warten können. Die Fahrt vom Flughafen in Agadir nach Taghazout war dafür ein absoluter Nervenkitzel. Wenn man beim Autofahren leicht die Nerven verliert, dann sind marokkanische Verhältnisse nichts für einen. Zu dritt auf drei Spuren, 10 Zentimeter Abstand und Eselskarren sind ganz normal.
Und das waren die ersten Zeichen für mich, dass in Marokko die Uhren noch etwas anders laufen…
 
In Taghazout angekommen lief ich gleich zum Restaurant, um das Essen nicht zu versäumen. Zu spät war ich eh schon, aber egal. Im Restaurant war ich dann etwas verwundert. Mein letzter Stand war, dass ungefähr 5 bis 6 Leute an der Ausbildung teilnehmen, aber plötzlich saßen da viel mehr Leute. Ich begrüßte noch kurz Johnny und dann ging’s ans Essen. Es waren jetzt nicht gerade von einem 3-Hauben-Koch zubereitete Speisen, aber ich kann nicht klagen.
Nach dem Essen gingen wir schließlich in ein Appartement, wo ein Teil der Gruppe wohnte und es gab eine kurze Vorstellungsrunde. Das Lustige an dem Kurs war, dass er eigentlich vom österreichischen Surfverband veranstaltet wurde, von den 11 Schülern jedoch nur 2 aus Österreich waren. Auf jeden Fall waren wir bunt gemischt und ich war, wie fast immer in den Surfkreisen, wo ich mich bewege, mit meinen 16 Jahren der Jüngste im Kurs. Als ich dann noch sagte, dass ich vor 9 Jahren auf Ibiza zum Surfen angefangen hab sahen mich ein paar verdutzt an. JA, man kann auf Ibiza surfen, ob ihr’s glaub oder nicht.
Dann gab es eine kurze Einführung von Johnny und dann ging’s für mich auch schon wieder ans andere Ende von Taghazout, weil ich zuerst die Unterkunft mit anderen Freunden gebucht hatte und dann erst die Ausbildung.
 
Am nächsten Tag fing der Kurs auch gleich voll an.
Um 10 Uhr gab’s Frühstück, oder hätte es Frühstück gegeben, denn die Marokkaner nehmen es anscheinend noch nicht so genau mit Reservierungen. Auf jeden Fall war unser Platz schon vergeben und Johnny baute den Zeitplan ein bisschen um. Wir gingen wieder ins Appartement und jetzt wurden die Theoriethemen vergeben. Jeder von uns musste alleine oder in einer Gruppe einen Vortrag über ein Thema aus dem Skriptum halten. Ich bekam das Thema „Gefahren und Risiken“ beim Surfen. Und dann gab es endlich Frühstück.
Anschließend ging es zum Strand, jedoch nicht, um zu surfen. Johnny legte gleich mal los mit der ersten Theorieeinheit. Es war ganz lustig, weil manchmal marokkanische Strandverkäufer herkamen, von denen sich einige an Johnny erinnerten. Und auch wenn ihr es mir jetzt nicht glaubt, Winterschlussverkauf gibt es nicht nur bei uns, sondern auch in Marokko bei einem Strandverkäufer, der uns Teppiche verkaufen wollte.
 
Nach dem angenehmen Vormittag gingen wir dann nach Hause und lasen und den Teil des Skriptums durch, der uns am folgenden Abend von Johnny präsentiert werden sollte. Wer darauf keine Lust oder es schon gelesen hatte, der blieb noch etwas am Strand und ging surfen, was allerdings nicht sehr aussichtsreich aussah, da die Wellen einfach zu hoch waren.
Nach dem Abendessen schließlich ging es wieder rauf zum Appartement und dann kam der Vortrag von Johnny: UNTERRICHTSLEHRE
Ziemlich trockener Stoff, aber wir hatten auch unsern Spaß dank zweier Teilnehmer, die echt Wahnsinns Meldungen schoben.
Doch das war’s auch schon ziemlich mit „ausbilden LASSEN“, denn von nun an gab es keine Frontalunterricht mehr, sondern Workshop mäßigen Unterricht. Am Vormittag wurden wir in vier Gruppen eingeteilt. Es gab vier Themen, welche jede Gruppe an vier Vormittagen durchnehmen mussten. Am Anfang waren die Vorträge noch verbesserungswürdig, doch am Ende waren sie schon sehr gut. Allerdings kamen wir nur dazu, drei Themen vorzutragen, denn am vierten Tag nahmen wir dann echt Schüler unter die Fuchtel. Mit einem Betreuungsschlüssel von zwei Lehrern auf einen Schüler ging’s dann los.
 
Bilanz des Unterrichts:
 
Tote
Null
Verletzte
Null
Erfolge
Sehr viele
Spaß
Noch viel mehr
 
 
Doch am Abend wurde es wieder „ernst“, falls es das überhaupt mal wurde, außer bei der Prüfung, denn es gab fast keine Theorieeinheit, wo es keinen Lachanfall gab. Am ersten Abend war das große Thema Materialkunde dran. Es wurde alles, was es an einem Surfboard gibt, durchgenommen, aber es war keineswegs uninteressant.
Und so ging es nun weiter. Am Vormittag Theorie am Strand, am Nachmittag Theorie zu Hause und am Abend Theorie im Appartement. Wenn man sich das so anhört, fragt sich vielleicht mancher, wie ich mir das in den Ferien  antun konnte, so viel zu lernen. Ich muss euch sagen,
es war zwar viel zu lernen, aber die Ausbildung war’s echt wert.
Theorie war nicht nur das einzige was es gab. Es gab Zeit zum Freesurfen, Zeit zum Besuchen von Achor Point und es gab auch ne Videoanalyse, weil ein Surflehrer ja nicht nur theoretisch etwas über’s Surfen wissen sollte, sondern auch selber Surfen können sollte.
Freesurfen konnten wir vor allem in Panorama’s und Hash Point, denn ohne Auto, war alles andere zu weit entfernt, die Videos hingegen wurde beim Killer Point aufgenommen.
Die Surfbedingungen waren fast immer super, ab und zu vielleicht zu hoch und ein einziges Mal vielleicht etwas zu klein. Aber unter der Leitung von Johnny gelang uns bei jedem Point der sichere Ein- und Ausstieg
 
Nach unseren Theorievorträgen gab es nochmal einen Vortrag von Johnny, diesmal auf Englisch über das Skriptum der ISA.
Und dann war es soweit. Der Tag der Prüfung war da. Doch bevor wir für uns lernen durften, gab es noch eine Theorieeinheit von Johnny am Strand. Diesmal ging es um Rettungstechniken. Jeder von uns musste einen andern mit dem Surfboard retten und Johnny spielte sogar einen bewusstlosen in der Impact Zone, der gerettet werden musste.
Am Nachmittag durften wir lernen, dann gab’s Abendessen und dann wurde unser Wissen getestet. Es war jedoch nicht in der Schule, sondern es war eine entspannte Stimmung, aber ob wir die Prüfung geschafft haben, das erfuhren die meisten von uns erst am nächsten Tag.
Nach der Prüfung ging ich mit ein paar Leuten vom Kurs in ein Café auf einen Minztee (Bier gibt’s nur in Agadir), aber es wusste niemand, was wir machen sollten, denn nach dieser Woche war es ziemlich ungewohnt für uns, nichts zu tun zu haben. Deswegen zerstreuten wir uns bald wieder und gingen nach Hause schlafen. Ein Teil von uns erfuhr es von Johnny noch am selben Abend noch, der Rest erst am nächsten Tag: ALLE HABEN DIE PRÜFUNG BESTANDEN!!!
 
Die Freude war groß und wir ließen uns das Frühstück noch so richtig schmecken. Danach gab’s noch eine Nachbesprechung der Prüfung und dann ging es für den Großteil der Leute zum Flughafen nach Agadir. Ein paar blieben noch in Taghazout um noch etwas zu surfen. Doch das hieß nicht, dass es aus war mit dem Spaß. Die, die sich auf den Weg zum Flughafen gemacht hatten, flogen alle mit dem selben Flieger nach Düsseldorf und im Flugzeug war die Stimmung noch mal auf nem Höhepunkt. Nach einer etwas längeren Wartezeit in Agadir, da unser Flieger Verspätung hatte, ging der Spaß noch mal richtig los. Ich hatte den ersten Lachkrampf schon bevor das Flugzeug überhaupt gestartet war.
Doch neben dem Spaß war auch ein bisschen Wehmut dabei, weil die Woche doch ziemlich lustig war.
 
 
Alles in allem gab es nicht nur Theorie, sondern auch Praxis und jede Menge FUN!!!
Freu mich schon auf die nächste Ausbildung   ;-)
 
 

 

 
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